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Twitter Super Follows: Monetarisierungsmöglichkeit für Content Creator

Auf dem jüngsten Analyst Day verkündete die Microblogging-Plattform Twitter gleich eine ganze Reihe neuer Funktionen. Eine von ihnen: die Super Follows. Wobei es sich bei der neuen Monetarisierungsmöglichkeit handelt und wie du sie nutzt, erfährst du in diesem Artikel!

Anders als seine großen Social-Media-Brüder Facebook und Instagram hält sich Twitter mit der Einführung neuer Funktionen meist eher zurück. Doch in letzter Zeit kommt etwas mehr Schwung ins Repertoire des 2006 gegründeten Kurznachrichtendienstes aus San Francisco. In jüngerer Vergangenheit sorgten vor allem die Erhöhung der maximalen Zeichenanzahl eines Tweets auf 280 Zeichen (2017) und die Einführung der Fleets (2020) für Aufsehen. Gerade mit letzterer Funktion nähert Twitter sich dem von Instagram etablierten Story-Format an.

Nun bedient sich Twitter weiterer Funktionen, die du womöglich von anderen Social-Media-Plattformen bereits kennst. Besonders aufsehenerregend ist dabei der nun anstehende Launch der Super Follows. Mit dem Dienst tritt Twitter in Konkurrenz zu jungen Plattformen mit Bezahl- bzw. Abomodellen wie etwa Patreon, OnlyFans oder Twitch. Allein das ist Grund genug, sich die neue Funktion genauer anzuschauen. Wir zeigen dir, was sich für die Twitter-Nutzer durch Super Follows ändert und wie du sie zur Vermarktung von Inhalten am besten nutzt!

1. Extracontent zum Aufpreis: Das steckt hinter dem Konzept von Twitter Super Follows

Bislang ist noch wenig über die inhaltliche Ausführung des Konzepts der Super Follows bekannt. Sicher ist jedoch, dass sich das Bezahlmodell an dem anderer Plattformen mit Bezahlschranke orientiert. Ähnlich wie bspw. bei Patreon erhältst du für rund fünf US-Dollar Zugang zu exklusiven Inhalten eines Twitteraccounts. Bei der Frage, wie genau diese Inhalte aussehen bzw. in welcher Form du sie vorfindest, gibt es vielfältige Möglichkeiten. Wir stellen dir einige davon kurz vor:

  • Supporter Badge: Ähnlich wie bei Facebooks Top-Fans erhältst du als zahlender Abonnent ein Accountabzeichen. Damit zeigst du deinen Support für den abonnierten Kanal. Dieses vor allem visuelle Zeichen der Unterstützung ist auch bekannt vom Livestreaming-Portal Twitch. Hier bekommen Nutzer sogar verschiedene Abzeichen, je nachdem für wie lange sie einen Kanal abonnieren.
  • Exklusiver Newsletter: Ist in dem zahlungspflichtigen Abonnement ein Newsletter enthalten, haben Creator die Möglichkeit, exklusive Informationen über diesen zu verbreiten. So erfahren Nutzer z. B. früher von anstehenden Events und haben die Möglichkeit, sich nach dem Early-Access-Prinzip frühzeitig dafür anzumelden.
  • Exklusiver Content: Apropos Early Access: Durch einen Super Follow haben zahlende Abonnenten die Chance, früher Zugang zu exklusiven Inhalten zu bekommen. Journalisten schaffen sich eine Extraeinnahme für gut recherchierte Artikel oder Influencer stellen exklusive Videos hoch. Auch für den Marketingbereich hält die Verbreitung exklusiven Contents Potenziale bereit: Als Experte oder gar Thought Leader aus Bereichen wie SEO, Social Media oder Lead Generation hast du die Möglichkeit, einen Podcast oder Ratgeberartikel mit exklusiven Informationen zu monetarisieren.
  • Deals und Rabatte: Was du sonst eher von Influencern auf Instagram oder Youtube kennst, wird nun auch auf Twitter Realität. Doch anders als dort wird auf Twitter ein eher branchenspezifisches Publikum angesprochen. Doch gerade das schafft neue Vermarktungsmöglichkeiten für Produkte, Dienstleistungen und Events: Journalisten bieten Rabatte für Zeitungsabonnements an, Agenturen geben Discounts auf Dienstleistungen, Events bieten günstigere Teilnahmegebühren für Super Follower.
So könnten Tweets in Zukunft für Super Follower aussehen
Mockup der neuen Funktion Super Follows, ©Twitter

Die Vorzüge für Super Follows machen deutlich: Twitter möchte zum einen noch interessanter für Influencer werden und zum anderen etablierten, reichweitenstarken Nutzern eine Monetarisierungsmöglichkeit bieten. Bislang war es für Creator jeglicher Art nur möglich, Inhalte von anderen Plattformen zu bewerben bzw. darauf hinzuweisen und zu verlinken. Nun müssen sie diesen Umweg nicht mehr gehen und monetarisieren den Content direkt auf Twitter.

Mit finanziellen Anreizen für Inhalte folgt Twitter dem Trend, den es auf Facebook, Instagram und YouTube schon längst gibt. Auch das vor allem jüngere Nutzer ansprechende TikTok positioniert sich immer stärker in diese Richtung. Twitter will mit Super Follows neue Anreize schaffen, sich als Plattform breiter und interessanter aufstellen. Der zeitliche Ablaufplan, wann genau Twitter die Funktion ausrollt, steht allerdings noch nicht fest. Sicher gilt aber, dass der neue Dienst zuerst für US-Nutzer und anschließend für weltweite Nutzer zur Verfügung steht.

2. Von anderen Plattformen inspiriert: Weitere neue Funktionen auf Twitter

Die neuen Super Follows sind nicht die einzige neue Funktion, die Twitter auf dem Analyst Day präsentierte. In naher Zukunft soll ein Community-Feature gelauncht werden, dass stark an die bekannten Gruppen auf Facebook erinnert. Twitter kaufte zuletzt den Newsletterdienst Revue auf, was ebenfalls in eine neue Funktion umgemünzt wird. Bereits in der Beta-Phase befindet sich die Funktion „Spaces“, in der sich Nutzer in Audioräumen unterhalten. Für eine bessere Übersicht stellen wir dir auch diese Features kurz vor:

2.1. Twitter Communities: Inhaltlicher Fokus in geschlossenen Räumen

Im Zuge des Analyst Days verkündete Twitter neben den Super Follows auch die Einführung sogenannter Communities. Optisch stark an Facebook Gruppen erinnernd, haben die Nutzer hier die Möglichkeit, sich in geschlossenen Räumen themenspezifisch auszutauschen. Ob Sport, Politik oder Marketing – der Fülle an Themen sind hier prinzipiell keine Grenzen gesetzt!

So sieht das User Interface der neuen Community-Funktion bei Twitter aus
Mockup des neuen Community-Features von Twitter, ©Twitter

Knüpft Twitter Communities an den Erfolg von Facebooks Gruppe an, so können die Nutzer hier große Online-Communities bilden. Allerdings bleibt abzuwarten, ob diese neue Funktion von einigen Nutzern nicht auch missbräuchlich genutzt wird. Auf Facebook gibt es beispielsweise das Problem, dass in solchen Gruppen mitunter verschwörungsmythologische, rassistische oder sexistische Inhalte geteilt werden. Hier gilt es für Twitter, eine ausgereifte Lösung zur Moderation der Communities zu finden.

2.2. Twitter Revue: Exklusive Newsletter über den Kurznachrichtendienst

Erst Anfang des Jahres übernahm Twitter den Newsletterdienst Revue und wandelte ihn direkt in einen eigenen Newsletterservice um. Für Autoren, Creator, Marketingexperten, Agenturen und Medienhäuser bedeutet das eine neue Möglichkeit für Monetarisierungen durch die Verbreitung exklusiver Inhalte. Grob zusammengefasst betrachtest du die Funktion als Instrument sowohl für das Personal Branding als auch zur Markenbildung.

Twitter selbst sieht Revue als bessere Austauschmöglichkeit zwischen Autoren bzw. Creator und deren Publikum. Die Nutzer sollen zudem neue Autoren oder Experten und ihre Inhalte so leichter entdecken. Gerade am Anfang sind die Pro-Funktionen von Revue noch frei verfügbar, um es Autoren, Agenturen und Medienhäusern einfacher zu machen, den Dienst zu testen und ein Publikum aufzubauen. Du kannst Revue momentan noch als eigenständigen, von den Super Follows losgelösten Service betrachten und dementsprechend ausprobieren.

2.3. Twitter Spaces: Topaktuelles Konzept, aber große Konkurrenz

Mit Spaces bietet Twitter eine Funktion an, die aktueller nicht sein könnte. Kurz zusammengefasst haben Nutzer die Möglichkeit, sich in abgeschlossenen Audioräumen live miteinander zu unterhalten. Das Konzept kommt dir bekannt vor? Da liegst du richtig! Der Hype um die Audio-App Clubhouse ist nicht an Twitter vorbeigegangen und auch die Microblogging-Plattform möchte davon profitieren.

Ähnlich wie Clubhouse ist der Dienst aktuell nur für ausgewählte iOS-Nutzer in der Beta-Phase testbar. Jedoch verfügt Twitter schon über eine ausgeklügelte Infrastruktur, die das Ausrollen der Funktionen für alle iOS- und Android-Nutzer schnell möglich macht. Zudem hat Twitter über die Jahre eine beachtliche Anzahl an Nutzern angehäuft, sodass Spaces – anders als Clubhouse – beim globalen Launch auf eine breite Masse trifft.

Rein technisch gesehen hapert es bei Twitter Spaces aber noch an einigen Stellen. Die Räume sind bislang für eine Kapazität von rund 100 Nutzern angelegt, während die Räume bei Clubhouse mehr Platz bieten. Aus Sicht der User Experience lassen sich Spaces am Smartphone nicht minimieren, um bspw. simultan den Browser aufzurufen. Auch in puncto Transparenz gibt es noch Defizite. Die Moderationstools sind sehr undurchsichtig und nicht alle Nutzer, die einen Raum betreten, lassen sich identifizieren. Da sich der Service bislang noch in der Testphase befindet, wird Twitter diese Mankos langfristig sicher beheben. Die Entwicklung ist dabei stark an die weitere Entwicklung von Clubhouse gekoppelt, das im Bereich Live-Social-Audio derzeit den Weg vorgibt.

3. Quo Vadis Twitter? Das bringen die neuen Funktionen für das Online-Marketing

Durch die Einführung von Super Follows und Revue schafft Twitter einen neuen Kanal für Monetarisierungen und kürzt andere Prozesse ab. Als Creator, Autor, Experte, Agentur oder Medium musst du so nicht mehr auf externe Kanäle verweisen. Du interagierst direkt auf Twitter mit den Followern, stärkst dort deine Community und verwaltest alle wichtigen Prozesse dort. Wenn du Twitter sowieso schon als Austausch- und Informationsmedium begreifst, hast du durch Communities zukünftig die Möglichkeit, noch besser in Kontakt mit anderen Experten zu kommen und dich noch themenspezifischer auszutauschen. Wenn sich Twitter Spaces ähnlich entwickeln wie Clubhouse, kannst du mit der Funktion deinen Expertenstatus ausbauen und festigen.

Insgesamt tragen die neuen Dienste von Twitter dazu bei, dass vor allem reichweitenstarke Accounts besser für ihre Inhalte entlohnt werden. Wenn du dich mit den normalen Funktionen Twitters schon als Experte für einen Bereich etabliert hast, hast du prinzipiell gute Startchancen bei den Super Follows. Für einen angesehenen Experten sind Nutzer eher bereit, einen finanziellen Beitrag zu leisten als für jemanden, dessen Expertise schwer einzuschätzen ist. Wie immer wird sich erst langfristig zeigen, ob die neuen Funktionen Fluch oder Segen für Twitter sind. In den letzten Jahren hat eine starke Diversifizierung des Marktes für exklusive Inhalte für Abonnenten stattgefunden. Hier bleibt abzuwarten, ob das Konzept auch von Twitter-Nutzern angenommen wird oder ob der Markt schon zu divers ist.

Unabhängig davon schadet es nicht, als Einzelpersonen oder als Unternehmen die neuen Funktionen als Early-Adopter anzunehmen. Dabei gilt es, sich schnell zu positionieren und guten Content für das Zielpublikum zu produzieren. So erarbeitest du dir schnell einen gewissen Status und bleibst auch langfristig selbst über Super Follows als Kanal attraktiv.


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Fionn Kientzler

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