SEOkomm 2017 Recap: Die Argumente, die Stories, die Zusammenfassung
Fionn Kientzler
FionnKientzler
Publiziert am
fionn.kientzler@suxeedo.de

Die SEOkomm ist wohl eine der südlichsten deutschsprachigen SEO-Konferenzen. Für mich hieß es daher mal wieder: Flug nach München und dann per Zug durch mehrere idyllische Bilderbuch-Dörfer nach Salzburg. Man grüßt sich mit einem markigen „Servus“ – nur der Kaiserschmarrn hat gefehlt. Dafür standen vor dem Veranstaltungsort gleich zwei Teslas zum Probefahren. Wo Nerds sind, ist Tesla auch nicht weit, möchte man meinen. #elonmuskfanboys

Und was wäre eine Digitalkonferenz im Süden ohne Marcus Tandler? Unvollständig! Schade, dass ich noch im Zug saß, als er seinen Slidestorm auf die Teilnehmer losließ, sonst hätte ich meinen Recap mit seiner Keynote gestartet. Er hat auf jeden Fall mächtig Eindruck hinterlassen, denn viele der folgenden Speaker haben immer wieder auf seinen Vortrag Bezug genommen.

Im Folgenden lasse ich kurz meine besuchten Vorträge Revue passieren. Wie es immer so ist – man hat die Qual der Wahl, es geht nur one-at-a-time. Daher geht es mir weniger um eine Liste der besten Vorträge, sondern vielmehr um meine Eindrücke aus den besuchten.

John Mueller

Mein diesjähriges Highlight war es, John Mueller einmal persönlich zu treffen. Bei der Gelegenheit habe ich ihm eine Frage gestellt, die mir schon länger unter den Nägeln brennt: Inwiefern fließen User Signale in das Ranking ein? John erklärte mir, dass Google User Signale durchaus nutzt, um im A/B Testing die Ranking-Output-Qualität von Algorithmen zu verbessern. Dabei werden auch selbstlernende Automatismen eingesetzt.

Von dieser Aussage lässt sich ableiten, dass User Signale zumindest indirekt einen Einfluss auf Rankings haben.

Thomas Mindnich

Thomas Mindnich ist ein quirliger, ausgesprochen guter Redner. Er hat er ein enormes Verständnis seines Themengebiets, weiß zu unterhalten und interagiert wie kein anderer Redner mit dem Publikum. Da stört es nicht, dass er während des Vortrags über die Bühne hin und her tigert, um sein „Gehirn in Bewegung zu halten.“

Erst einmal wies er darauf hin, dass in den meisten Betrachtungen von Ranking-Faktoren immer Rankings von schon erfolgreichen Seiten im Mittelpunkt stehen, beispielsweise die Top-3-Ergebnisse. Dabei ist die eigentlich spannendere Frage, wie man überhaupt erst einmal in die Top 3 kommt. Dafür muss man sich wiederum ein Fundament aufbauen, in dem man die fundamentalen Variablen des Algorithmus beachtet.

Zuerst gilt es daher zu verstehen, dass die Suchmaschinen nach dem Prinzip „Term-Gewichtung“ arbeiteten. Ich darf nicht überproportional viele Terms im Inhalt haben, die für das Ergebnis nicht relevant sind. Relevanz entsteht für die Suchmaschinen aus dem Kontext der anderen Ergebnisse.

Zudem speist sie sich aus der Sucherintention (User Intent). Statt alle semantischen Suchintentionen in einem Inhalt zu vereinen, geht es darum, Inhalte auf einzelne Intentionen auszurichten.

Besonders einleuchtend fand ich Thomas Beitrag zum Thema „Main-Content“.  So sind beispielsweise Texte in der Sidebar oder im Footer kein Main-Content und werden deshalb auch – wenn überhaupt – kaum gewichtet. Trotzdem gibt es noch sehr viele Seiten, die ihren Text für die Suchmaschine irgendwo hereinmogeln, aber nicht in die Main-Content Section. Pure Geldverschwendung also.

SEOkomm recap 2017

Kai Spriestersbach

Für jede Suchanfrage gelten eigene Ranking-Faktoren. Dies war die Kernaussage von Kais Vortrag. Sein Ansatz ist es dabei, kleine Tests und Optimierungen vorzunehmen, die auf den User Intent und das Engagement bzw. das Wettbewerbsumfeld ausgerichtet sind. Dabei wies er auf eine Methodik mit Analyse-Tools und Tests mit kleinen, umsetzbaren Samples hin. So lässt sich etwa eine Statistik zu den zeitlichen Veränderungen von Top-10 rankenden Seiten zu einem bestimmten Keyword bilden, mit der sich Muster entdecken bzw. verifizieren lassen, die auf algorithmische Veränderungen hinweisen. Da waren praktische umsetzbare Beispiele dabei, die wirklich nützlich sind. Danke @Seokai!

Dann holte Kai die Moralkeule heraus, um Wissenschaftlichkeit anzumahnen: „RANKING-FAKTOREN- STUDIEN SIND BULLSHIT.“

Lieber Kai, ich finde Ranking-Faktoren-Studien immer noch spannend, weil die großen Trends in den kleinen Tests dann doch zu kurz kommen. Diese lassen sich besser mit großen Studien erheben. Durch die gebildeten Durchschnitte und methodischen Vereinfachungen ergeben sich dabei Limitationen, die es aber gleichzeitig ermöglichen, größere Daten-Trends über den Zeitverlauf zu identifizieren. Ist doch klar, dass wir die Ergebnisse nicht 1:1 auf unsere Optimierung übertragen und nicht jeden Faktor auf die Goldwaage legen. Am Ende musste Kai zugeben, dass selbst seine kleinen Analysen und Tests auch nicht sonderlich wissenschaftlich sind, weil zu viel Wissenschaftlichkeit das pragmatische Vorankommen hemmt. Siehste!

Karl Kratz

Jeder Vortrag von KK ist spannend, ohne Ausnahme. Er wirkt wie eine Mischung aus anspruchsvollem Digital Thinker und schwäbischen Nachbarsjungen mit dem man Pferde stehlen kann. Dieses Mal hatte Karl sein neues Toy mitgebracht: einen Echo mit dem er ordentlich Unsinn trieb.

Er zeigte auf, wie limitiert die Voice-Technologie ist – aber auch, wie schnell sie sich entwickelt. Nach ein paar lustigen Spielerein kam Karl zum Kern der Herausforderungen, die durch die Voice-Interaktion für SEOs entsteht:

Anders als bei den Suchmaschinen (eigentlich nur Google) sind Sprachassistenten nicht homogen und greifen auf unterschiedliche Systeme zu, um Informationen zu bekommen. Alexa zum Beispiel auf Bing, Siri sowohl auf Bing und Google als auch auf Yelp und Tripadvisor. Es reicht also nicht mehr aus, nur für eine Plattform zu optimieren.

Zudem zeigte Karl, wie man mit JSON-LD speziell für Voice Searches optimieren kann, indem man dort Attribute einstellt, die für die Form der Sprachanfrage essentiell sind (Orte, Personen, Produkte, Brands und Preise). Die verdeutlichte er am Beispiel einer Psychotherapeutin für die er die Optimierungen vorgenommen und getestet hatte.

Niels Dahnke

Niels Dahnke gehört auf jede gute SEO-Konferenz. Auch nach vielen großen Projekten über die Jahre hinweg, hat er seinen Spieltrieb nicht verloren und bastelt und testet gerne, was immer wieder zur Befruchtung seiner Arbeits- und Denkweise führt und originelle Blickwinkel ermöglicht. Sein Vortrag strotzte nur so von Inhalten, um das Thema „Crawling“ möglichst holistisch herüberbringen zu können.

“Google has a limited crawling budget. Use it wisely.“ Das ist der Kern des Vortrages. Da Niels alle Infos auf seine Slides zum Nachlesen packte, greife ich hier einmal zwei heraus.

Was beinflusst das Crawlbudget:

SEOkomm 2017 recap

Es ist spannend sich einmal die Seiten-Struktur zu visualisieren, um Schwachpunkte zu identifizieren:

SEOkomm 2017 recap Dahnke

Sebastian Erlhofer

Er sieht immer noch so jung und dynamisch aus, aber er gehört inzwischen zu den ganz alten SEOs, die seit Anfang des Jahrtausends im Geschäft sind. Das merkt man ihm vor allem aufgrund seiner großen Erfahrung an. Sebastian hat einen spannenden Vortrag gehalten, in dem er sich statt auf Big Data auf Small and Medium Sized Data konzentrierte und aufzeigte, was man eigentlich alles aus der Search-Konsole herausziehen kann.

SEOkomm 2017 recap Erlhofer mindshape

Eine Reise zu Fuß ist immer eine Ansammlung vieler kleiner Schritte. Analog dazu hat Sebastian viele kleine Schritte aufgezeigt. So ging er unter anderem darauf ein, dass Mehrfach-Rankings sich gegenseitig herunterziehen, wie sich diese identifizieren lassen und wie sich durch die De-optimierung eines der Ergebnisse die Rankings recht einfach steigern lassen. Außerdem zeigte er auf, wie man mit Rapid Miner Google-Search-Console-Daten mit Machine Learning verknüpfen kann, um beispielweise Muster im User Engagement zu identifizieren. Es war eine ganze Liste an nützlichen Hinweisen, die zeigen, wie tief Sebastian in der Materie steckt.

Am Ende eines spannenden Tages mit interessanten Einblicken und dem ein oder anderen Wiedersehen mit bekannten Köpfen, fand die SEOkomm ihren Abschluss in der alljährlichen Netzwerk Party. Ich freue mich schon aufs nächste Mal, wenn es wieder heißt: Ab in den Süden!

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