Karl Kratz Interview auf dem OMT

Im Gespräch mit Karl Kratz: Insights, Learnings und Prognosen zur Search-Technologie

Fionn Kientzler
FionnKientzler
Publiziert am
fionn.kientzler@suxeedo.de

Fionn Kientzler: Was macht Voice Search zum definierenden Thema im Online Marketing der nächsten Jahre?

Karl Kratz: Wenn man Messpunkte setzt und dokumentiert, wann welche Voice-Requests getätigt werden, entdeckt man einen exponentiellen Trend – und mit dem werden wir uns in den nächsten Jahren auch auseinandersetzen müssen.

Fionn Kientzler: Sundar Pichai (Google CEO) hat gesagt, dass sich das Konzept des Gerätes auflösen wird. Auf was müssen wir uns da jetzt im Online Marketing vorbereiten?

Karl Kratz: Manchmal bekomme ich den Eindruck, bei dem heutigen Stand der Diskussion können wir uns die nächsten zehn Jahre auch noch mit Keyword-Density und Mobil-Optimierung auseinandersetzen. Aber auf der anderen Seite geht die technologische Entwicklung dahin, dass wir immer natürlicher kommunizieren können und da muss keine Tastatur und kein Display mehr dranhängen. Unser Körper ist das natürlichstes Interface. Ich sehe eine Entwicklung Richtung „Mixed Reality“ mit ziemlich unbegrenzten Möglichkeiten. Was wir heute schon tun können, um uns darauf einzustellen, ist Content mit Schema-Markups, beziehungsweise Microdata-Tags auszuzeichnen oder auch Optimierungen von “conversational queries.

Fionn Kientzler: Wo siehst Du selber eigentlich die Limitationen der Sprachsuche?

Karl Kratz: Es gibt ein paar sehr pragmatische Limitationen. Die eine Limitation ist das Verständnis unterschiedlicher Sprachen und Dialekte. „Wenn I en meirer Muttersprach ends Siri neischwätz, do kommt ebbe nix bei rum.“ Eine weitere Limitation sind die Daten, die hinter jeder Sprach-Query liegen; und Daten, die nicht vorliegen oder nicht ordentlich aufbereitet sind, können nicht verwendet werden. Das ist auch eine Frage der Dateninterpretation, und wie dynamisch diese erfolgt. Das sind alles ganz natürliche, technologische Limitationen.

Wenn wir uns das Benutzer-Verhalten in Deutschland anschauen, dann war es in den letzten Jahren so, dass einige Benutzer die Sprachsuche erst mal ausprobiert haben. Und wenn das Ergebnis nicht gleich den Vorstellungen entsprochen hat, haben sie es nicht weiter verwendet und die Sprachsuche aufgegeben. Das ist so, wie wenn ein zweijähriges Kind laufen lernt, hinfällt und ich als Erwachsener sage: “Bleib liegen, das wird eh nichts – wie sieht das denn aus, das bringt doch nichts!” Die Voice-Technologie macht aber exponentielle Fortschritte und in drei bis fünf Jahren wird es nur noch selten vorkommen, dass Siri und Co. uns nicht mehr verstehen.

Fionn Kientzler: Wie siehst du den sozialen Kontext der User-Adaption dieser Technologie?

Karl Kratz: Viele Leute gehen von sich aus und sagen: „Ich spreche nicht mit meinem Gerät.“ Ich hatte einen interessanten Moment, als ich Besuch hatte; meine Tochter beobachtete, wie der Besuch sich beim wilden Tippen in das Gerät fast die Finger abgebrochen hatte. Meine Tochter hat ihn gefragt, wieso er nicht die Sprachfunktion betätigt. Er sagte „weil ich nicht mit einem Gerät spreche.“ Sie ist weiter gelaufen, kam nach einem Moment zurück und hat gesagt, „wenn Du telefonierst, sprichst Du doch auch mit einem Gerät.“ Das Interessante dabei ist ja: Für die Generation, die jetzt aufwächst, ist es völlig normal, per Sprache mit Geräten zu interagieren. Auch scheint es so zu sein, dass man in Deutschland tendenziell kritischer ist, was die Adaption neuer Technologien anbelangt. Das darf man aber nicht auf andere Länder projizieren, in denen die Nutzungs-Raten enorm steigen. Letztlich wird sich zeigen, dass dies auch in Deutschland der Fall sein wird.

Fionn Kientzler: Es gab ja bei den Google Glasses den „Glasshole-Effekt“, in dem User die Technologie abgelehnt haben.

Karl Kratz: Ja, das stimmt. Dies bezog sich aber nur auf die Google Glasses. Diese lächerlich großen Brillen von Snapchat fanden hingegen großen Anklang. Es war eher so, dass Google in diesem Zusammenhang verteufelt wurde – nicht die Technologie an sich.

Fionn Kientzler: Du entwickelst konstant neue Ansätze und Vorträge. Das kann nicht jeder.

Karl Kratz: Oh doch. Ich glaube schon, dass es jeder kann.

Fionn Kientzler: Aber es macht nicht jeder.

Karl Kratz: Ja, es geht mir darum, immer wieder ungewöhnliche Perspektiven einzunehmen. Dabei bin ich von der Neugier angetrieben, immer etwas neues zu lernen und dies zu teilen. Zum Beispiel im heutigen Vortrag auf dem OMT werde ich zeigen, was ein Zaubertrick mit dem Online Marketing zu tun hat. Etwas neues zu veröffentlichen macht einen angreifbar. Gleichzeitig ist es immer wieder inspirierend so zu arbeiten.


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