Evgeni Sereda Interview auf dem OMT

Im Gespräch mit Evgeni Sereda auf dem OMT: Über die Geschichte von Semrush, Ideen für die Zukunft und den deutschen Markt.

Fionn Kientzler
FionnKientzler
Publiziert am
fionn.kientzler@suxeedo.de

Fionn Kientzler: Was sind die aktuellen Entwicklungen und Trends, die von Semrush aufgegriffen werden? Oder anders: Wo entwickelt sich die Reise für das Tool hin?

Evgeni Sereda: Bei Semrush ist es momentan so, dass wir uns verstärkt auf die Traffic-Analyse konzentrieren – so sind gerade die neuesten Daten für den mobilen Traffic erschienen. Zudem haben wir unsere Datenbanken in Bezug auf die ganzen Keywords vergrößert; zum Beispiel in Deutschland besitzen wir mittlerweile Daten zu über 200 Millionen Keywords. Es sind auch neue Datenbanken zu anderen Ländern dazugekommen. Ich würde behaupten, dass wir mittlerweile der einzige Tool-Anbieter auf der Welt sind, der so viele Daten in Bezug auf Keywords anbietet. Wo die Reise hingeht, in diesem und im nächsten Jahr, ist natürlich Content Marketing. Dazu entwickeln wir das Tool auch gezielt weiter – zum Beispiel durch den SEO Writing Asisstant. Mittlerweile sind Checks, die es bisher nur für den amerikanischen Markt gab, auch für Deutschland verfügbar – zum Beispiel der Readability Score.

Fionn Kientzler: Kannst du noch mal kurz den Writing Asisstant erklären? Das ist ein ziemlich tolles Tool aus meiner Sicht, mit dem man Texte richtig gut semantisch optimieren kann; da wird modernes SEO angewendet. Wie können Nutzer dieses Tool am besten verwenden?

Evgeni Sereda: Nun, es ist ein Add On für Google Chrome und auch für WordPress verfügbar. Für Mozilla Firefox wird es noch kommen. Mit dem Tool kannst du deine Copywriter instruieren, Texte zu bestimmten Keywords zu schreiben. Auf der Basis der zuvor definierten Ziel-Keywords schlägt das Tool semantisch passende Begriffe vor, die ebenfalls in den Text aufgenommen werden können. Du kannst den Text mit dem Tool semantisch optimal gestalten, die Keyword Difficulty, das Textvolumen und die Readability prüfen sowie eine Konkurrenzanalyse durchführen. So können Konkurrenz-Texte beispielsweise analysiert und mit den eigenen Texten verglichen werden, um Potentiale und Optimierungen bei den Wettbewerbern zu identifizieren.

Fionn Kientzler: Ich habe den Eindruck, dass Semrush seit den letzten Jahren viel präsenter auf dem deutschen Markt ist. Semrush ist ja schon lange da, doch in den letzten Jahren ist die Sichtbarkeit stark gestiegen. Wie wichtig ist Deutschland für Semrush und welche Ideen habt ihr für den Markt?

Evgeni Sereda: Der deutsche Markt ist für mich als Deutschland-Verantwortlicher von Semrush natürlich besonders wichtig. Wir sehen dabei gewisse Herausforderungen, da bereits schon viele Tool-Anbieter hier etabliert sind. Unser Ziel ist es jetzt nicht, den Markt zu dominieren, sondern eine andere Alternative für die Leute anzubieten oder Semrush mitzuverwenden. Bei einem Markt, der ja bereits voll ist, macht es jetzt keinen Sinn, gegen etwas anzukämpfen, sondern den Menschen einfach eine gute Alternative und Ergänzung anzubieten. Wenn die Leute sehen, dass das Tool preislich und funktional stimmig ist, dann ergibt die Alternative Sinn.

Fionn Kientzler: Woher kommt eigentlich Semrush? Also ich kenne das Tool sehr lange; es ist eins der ersten Tools, welches ich in dem Bereich benutzt habe. Und ich habe mich immer gefragt, was der historische Kontext ist. Woher kommt es und wie hat es sich entwickelt?

Evgeni Sereda: Semrush wurde ursprünglich vor rund 10 Jahren von zwei Freunden gegründet. Das waren damals SEO-Spezialisten mit einem Affiliate-Bezug, welche einfach ein Tool entwickeln wollten, mit dem man sehen konnte, für was die Leute ranken.

Fionn Kientzler: Wo war das damals?

Evgeni Sereda: Soweit ich weiß in Sankt Petersburg. Die beiden haben das Tool dort anderen vorgestellt; die SEO- und Affiliate-Leute fanden das alle toll und wollten, dass das Tool unbedingt weiterentwickelt wird. Dann kamen die ganzen SEA-Funktionalitäten dazu und jetzt sind wir mittlerweile bei über 30 Tools – also wirklich riesig. Die Zentrale befindet sich in den USA. Auf Zypern haben wir unsere europäische Zentrale, auch in Prag haben wir ein Office und in Sankt Petersburg befindet sich ein riesiges Entwickler-Hub.

Fionn Kientzler: Und sind die Gründer immer noch involviert? Oder machen die mittlerweile andere Sachen?

Evgeni Sereda: Ja, die sind noch direkt und aktiv involviert. Natürlich sind mittlerweile auch andere Gruppen dabei – zum Beispiel die Investoren aus den USA; wir haben ja erst vor kurzem 40 Millionen Dollar Investments bekommen. Da passiert einiges.

Fionn Kientzler: Die Headquarters sind also in den USA. Wie verläuft denn da die interne Kommunikation?

Evgeni Sereda: Wir sind ja ein agiles Unternehmen; agiles Management ist bei uns fest integriert. Wir haben zahlreiche Synchronisationen. So wird bei uns sehr oft slack verwendet und Google Hangouts sind ein fester Bestandteil. Bei uns ist Englisch die Pflichtsprache und natürlich die jeweilige Sprache für das Regionalmarketing. Doch bei uns läuft nahezu alles auf Englisch.

Fionn Kientzler: Zum Ende möchte ich dir auch noch mal eine persönliche Frage stellen. Ich weiß, dass du mit Würzburg verwurzelt bist. Vielleicht kannst du noch mal kurz beschreiben, wie es zu Würzburg kam und wie du von dort aus in die Welt gegangen bist – unter anderem Sankt Petersburg, eine ganz andere Stadt.

Evgeni Sereda: Ich bin in Sankt Petersburg geboren. 1995 sind meine Eltern nach Deutschland in den Würzburger Raum gezogen. Und ich lebte dann 17 Jahre in Würzburg, bin dort zur Schule gegangen, habe dort gearbeitet. Ich bin auch ehemaliger Student von Mario Fischer. 2012 habe ich dann die Entscheidung getroffen, dass ich mich einfach mal in Sankt Petersburg ausprobiere und schaue, was passiert. Der Markt dort ist auch sehr interessant. Da gibt es ja nicht nur Google, sondern auch Yandex – das war die perfekte Herausforderung. Und irgendwann nach 3 bis 4 Jahren bin ich dann zu Semrush gekommen, weil das Unternehmen sich auf dem deutschen Markt positionieren wollte und ich den Eindruck hatte, dass ich für diese Herausforderung prädestiniert war. Aber ich will mich jetzt nicht selbst loben.

Fionn Kientzler: Man sieht die Ergebnisse auf dem Markt und ihr habt ja schon einige Awards gewonnen.

Evgeni Sereda: Also wir haben den UK Search Award, den US Search Award und den European Search Award gewonnen und es werden in diesem Jahr noch zusätzliche Awards kommen.

Fionn Kientzler: Das ist schon eine krasse Erfolgsstory. Wie ist das jetzt für dich: 17 Jahre Deutschland und dann kommst du zurück nach Sankt Petersburg. Wirst du dort als Ausländer wahrgenommen oder hast du dich wieder problemlos integriert?

Evgeni Sereda: Das ist eine gute Frage. Also ich würde schon sagen, das ich oft als deutsch wahrgenommen werde. Ich verhalte mich auch oft scheinbar deutsch, mal direkt, mal zurückhaltend und manchmal mit Gepflogenheiten, die nicht unbedingt meine Persönlichkeit ausmachen, sondern eher kulturell bedingt sind. Aber die positiven Mitnahme-Effekte aus Deutschland möchte ich nicht missen und bis jetzt sind alle Leute damit klar gekommen.

Fionn Kientzler. Super, vielen Dank Evgeni für das Gespräch!


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